Stift Geras



Die Feier von Tod und Auferstehung Christi

Die Feier von Tod und Auferstehung Christi im byzantinischen Ritus

Eine geistliche Hinführung von Vater Martinos Petzold


Karwoche und Ostern

Am Freitag vor dem Palmsonntag endet die Fastenzeit der 40 Tage im eigentlichen Sinne. Es gibt noch einmal die Liturgie der vorgeweihten Gaben (ein Esperinos mit Kommunionspendung).

Dann folgt der Lazarussamstag mit dem Gedächtnis der Auferweckung des Lazarus, zugleich gewissermaßen ein Vorzeichen für die kommende Passionswoche, Große und Heilige Woche genannt. Vor und über allem Tod leuchtet bereits die Auferstehung. Und der Lazarussamstag zeigt, dass es bei allem Geschehen um unseren Herrn Jesus Christus letztlich um UNS geht: “Um uns und unseres Heiles Willen”, oder wie Paulus sagt: unser Glaube, sogar der Glaube an die Auferstehung unseres Herrn, wäre sinnlos, wenn nicht auch wir auferstehen würden. Wir wünschen schon jetzt Kaló Páscha oder auch jetzt, wo wir uns Ostern stark nähern Kalí Anástasi. Aber in keinem Fall Christos anesti, das sagen wir erst nach der Osterverkündigung, genauer zu dem Doxastikon der Lobpsalmen im Pascha-Orthros.

Der folgende Sonntag ist der Palmsonntag, es gibt eine Segnung der Palmzweige (eigentlich nach der Doxologie des Orthros), dieser Sonntag ist der einzige, an dem nichts Österliches im Gottesdienst vorkommt. Aber es ist trotzdem ein fröhlicher Tag, es darf Fisch gegessen werden.

Mit dem Sonntagabend beginnt die Karwoche, die Große und Heilige Woche, die Woche der Passion, Trauer, der langen Gottesdienste. Abends wie auch an den darauf folgenden drei Tagen gibt es den sogenannten “Nymphios”, eigentlich ein auf den Vorabend gerutschter Morgengottesdienst, also ein klassischer “Orthros” Nach dem Sechserpsalm (Hexapsalmos), mit dem jeder Orthros beginnt, wird statt des “Gott ist der Herr und er ist uns erschienen …) ein feierliches mehrfaches Alleluja gesungen (in der Orthodoxie ist das Alleluja kein Ostergesang, sondern ein Fastenzeitsgesang). Darauf folgt der Gesang: Siehe, der Bräutigam kommt in der Mitte der Nacht…, weshalb der ganze Gottesdienst “Nymphios” (Bräutigam) heißt. In diesem Gottesdienst wird auch eine lange Passionsperikope gelesen. Insgesamt werden in diesen Tagen alle Passionsevangelien incl. der Abschiedsreden bei Johannes mehr als zweimal gelesen. Dieser Gottesdienst wiederholt sich an jedem Abend bis Mittwoch. Dafür ist an diesen Tagen schon am Vormittag die Vesper mit Kommuniongottesdienst (Liturgie der Vorgeweihten Gaben) wie eingangs beschrieben.

Am Mittwoch kommt zudem noch die Krankensalbung (Sakrament des Evcheleon für alle Gläubigen!) Sieben Kerzen, sieben Apostellesungen, sieben Evangelien, sieben Gebete, möglichst sieben Priester.

Am Donnerstag in der Frühe ist wieder Vesper, diesmal mit göttlicher Liturgie, es ist der “Abendmahlsgottesdienst”. An manchen Orten gibt es auch eine Fußwaschung.

Am Donnerstagabend wieder ein Morgengottesdienst des nächsten Tages, also des Freitags. Es ist der wohl längste des Kirchenjahres. 12 Passionsevangelien werden gelesen, ergreifende Gesänge gesungen, vor allem die Milde unseres Herrn und das Verbrechen des Judas vor Augen gestellt. Dabei wird auch das Kreuz in die Kirche getragen und aufgestellt. Es gibt im Gottesdienst auch eine Kreuzverehrung aller.

Der Freitag ist ein liturgiefreier Tag, also es gibt keine Eucharistie, auch keine Kommunion. Es ist ein strenger Fasttag. Es gibt kein gekochtes Essen, die Küche bleibt kalt! Ein bisschen Brot, vielleicht Chalva, etwas Obst, Tee. Stattdessen werden die sogenannten kleinen Stunden, Erste, dritte, sechste, neunte Stunde feierlicher als sonst gestaltet (normalerweise werden sie nur rasch gelesen). Sie heißen Vasilikes Ores, königliche Stunden. Jede Stunde (alle werden nacheinander in Serie gehalten) werden drei Psalmen gelesen, 5 herrliche Hymnen, Prophetenlesung, Apostellesung, Evangelium und die normalen Gebete der jeweiligen Stunden. Zur neunten Stunde wird gesungen: “Heute hängt am Kreuz, der den Himmel über den Wassern aufgehängt hat …” Spätestens bei diesem Gesang dürfte die Passion in jedem Herzen angekommen sein! Anschließend oder nach einer Pause kommt die Vesper (Esperinos) mit der Kreuzabnahme während des entsprechenden Evangeliums. Joseph von Arimathäa nahm den makellosen Leib vom Kreuz, hüllte ihn in reines Linnen und legte ihn in ein neues Grab. Das wird durch Priester nachgeahmt, der gemalte Korpus wird vom Kreuz genommen, in ein weißes Tuch gelegt und auf den Altar gebracht. Das leere Kreuz bleibt zurück.

Am Abend des Karfreitags wird dann wie gewohnt der Morgengottesdienst des nächsten Tages, des Karsamstags gefeiert. Dabei dann die Klagelieder (genannt: Enkomia) der Frauen in drei Abschnitten mit jeweils anderer Melodie. Anschließend findet eine Prozession mit dem bestickten Grabtuch Christi um die Kirche mit einem blumengeschmückten Baldachin statt. Diese Prozession ist in den Dörfern der Höhepunkt der Passion. Alle ziehen am Schluss unter dem Tuch durch. Die Auferstehung kündigt sich schon an, das Dämmern des Ostertages!

Am Samstagvormittag (bei den Griechen, bei den Slawen wird dieser Gottesdienst nachmittags gefeiert!) wird bereits die Vesper mit der Basiliusliturgie gefeiert, es ist schon die Ostervesper. Gelesen werden 15 alttestamentliche Texte, die sich auf die Auferstehung beziehen. Während der Apostellesung kleidet sich der Klerus um von schwarz auf weiß, er tritt aus dem Altarraum und verstreut Blätter im ganzen Kirchenraum. Ostern kündigt sich an! Das Evangelium ist schon österlich. Aber der Tag ist noch Fasttag, ein ruhiger Tag ohne Aktion, ohne Arbeit (außer der Vorbereitungen in der Kirche und der Küche), ohne Trapeza.

Abends findet der Pascha-Gottesdienst statt. Um 23 Uhr wird der Mitternachtsgottesdienst (Mesonyktikon)  gefeiert, eine Stunde lang Hymnen und Gebete. Dann wird die Kirche verdunkelt, alle Lichter werden gelöscht. Der Abt zündet im Altarraum am Altar ein neues Öllicht an und daran seine Osterkerze. Mit dieser tritt er aus dem Altarraum und reicht allen das Osterlicht. Dabei singt er: „Kommt und empfanget das Licht vom ewigen Lichte und preiset Christus, der von den Toten erstanden!“ Dann ziehen alle hinaus, im Freien wird das Osterevangelium verkündet und zum ersten Mal „Christos anesti“ gesungen und einander zugerufen.

Danach folgen in der hell erleuchteten Kirche der Osterorthros und die Göttliche Liturgie. Zum Schluss werden Käse und Eier gesegnet, die Eier verteilt und frohe Ostern gewünscht! Alle halten während der gesamten Feier  brennende Kerzen in den Händen!

Alle ziehen nun in das Refektorium – voran der Abt bekleidet mit Mandyas und dem kostbarsten Abtsstab in der Hand - zum ersten Essen von  Käse, Eiern, Milch, Butter, Osterbrot und die berühmte Majiritsa, die Ostersuppe, nach der langen Fastenzeit.

Am Ostersonntag  wird die Ostervesper, genannt Vesper der Liebe gefeiert. Alle halten wieder die Osterkerzen in den Händen, das Evangelium wird dabei in vielen Sprachen gelesen. Danach gibt es wieder ein festliches Osteressen mit Fisch und Käse. Das ist dann Ostern, eine ganze Woche lang. Denn jeder Tag der Woche ist Ostertag mit dem Ostergottesdienst jeweils am Morgen und keinem Fasten.

(Leicht gekürzt und aktualisiert durch Igumenos Michael Proházka, Kloster Geras)

(Hier finden Sie den Text als PDF zum Herunterladen und Ausdrucken.)

Karwoche und Ostern
(bitte Bild anklicken um ausführliche Informationen – PDF – anzusehen)


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