Stift Geras

Aufnahme


Die Prämonstratenser gehören zur großen Familie der Regularkanoniker oder der regulierten Chorherren. Sie leben nach dem Vorbild und der Regel des hl. Augustinus. Der Prämonstratenserorden wurde im Jahr 1121 vom hl. Norbert von Xanten (1080-1134) in Prémontré (daher der Name "Prämonstratenser") bei Laon in Nordfrankreich gegründet. aufnahme_bild

Es gab damals eine große Krise in der Kirche: Lauheit und Gleichgültigkeit bei vielen Christen, Weltgeist und eigensüchtige Lebenshaltung bei vielen Geistlichen. Die Gregorianische Reform, die sich an den Namen des Papstes Gregor VII. (1073-1085) knüpft, wollte das ganze kirchliche Leben erneuern durch die Wiederherstellung der priesterlichen Spiritualität und die Zusammenführung des Klerus zum gemeinsamen Leben. Der hl. Norbert war einer der entschiedensten Vertreter dieser Reformbewegung. Er wollte in seinem Orden die vita apostolica verwirklichen, d. h. man wollte so leben wie die christliche Urgemeinde in Jerusalem (Apg 4,31-33). Augustinus (354-430) galt als der beste Bewahrer der apostolischen Überlieferung. Die Klerikergemeinschaft, die mit ihm gemeinsam im Bischofshaus von Hippo in Nordafrika lebte, wurde zum Vorbild für alle späteren Kanoniker-Gemeinschaften.

Einsatzgebiete


Heute gibt es etwa 1.500 Prämonstratenser in allen fünf Kontinenten. Jede Kanonie (Abtei) bildet für sich eine eigene Klosterfamilie, mit ihrer eigenen Tradition und Aufgabenstellung. Im mitteleuropäischen Raum liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit bei der Ausübung der Pfarrseelsorge. Darüber hinaus sind Prämonstratenser in Schule und außerordentlicher Seelsorge tätig. Die Prämonstratenserklöster waren durch alle Jahrhunderte Zentren der Kultur und Wissenschaft. Diese kulturelle Tradition wird heute noch gepflegt durch Ausstellungen, Konzerte, wertvolle Bibliotheken und vor allem durch geistliche Angebote (Exerzitien), Fastenkurse, Kunst- und Hobbykurse (z. B. in Geras und Schlägl). Das Kloster ist auch ein Wirtschaftsbetrieb, durch den die Gebäude des Stiftes und der von ihm abhängigen Pfarren erhalten werden.

Lebensform


Das Eigene der Prämonstratenser erwächst vor allem aus dem Wesen der kanonikalen Institution und dem Geiste ihres Gesetzgebers, des hl. Augustinus. Das Institut der Regularkanoniker stellt, auf Grund einer sehr alten Tradition, auch heute noch eine aktuelle Möglichkeit dar, den priesterlichen Dienst mit dem Gemeinschaftsleben zu verbinden. Das apostolische Leben nach dem Vorbild des Evangeliums, die Regel und das Gedankengut des hl. Augustinus, die Betonung des gemeinsamen Lebens, die ausgewogene Verbindung von Kontemplation mit der Arbeit für das Reich Gottes, dies sind die Grundzüge der Prämonstratenser-Spiritualität.

Wenn sich jemand für unsere Gemeinschaft interessiert und ihr beitreten will, so beginnt dessen Zeit im Kloster mit einer Phase des gegenseitigen Kennenlernens - dem so genannten Postulat. Dieses kann beliebig lange dauern, es wird vorher in Absprache mit dem Abt und Novizenmeister festgelegt. Der Kandidat lebt für diese Zeit mit der Klostergemeinschaft. Eine Teilnahme an den Gebeten und den Aktivitäten der Gemeinschaft versteht sich von selbst.

blumenDer eigentliche Eintritt in die Gemeinschaft beginnt mit der Einkleidung - mit dieser beginnt auch das Noviziatwofür in unserer Gemeinschaft zwei Jahre vorgesehen sind. Das erste Jahr ist für eine intensive Annäherung an die Gemeinschaft, eine Eingewöhnung und intensive Auseinandersetzung mit Haus und Orden vorgesehen. Im zweiten Jahr kann bereits mit dem Theologiestudium begonnen werden.

Nach dieser zweijährigen Noviziatszeit folgt die zeitliche Profess (auf drei Jahre), und der Novize wird zum so genannten Kleriker. Auch diese Zeit ist speziell für das Studium und/oder für die Aufgaben im Haus reserviert.

Auf das Klerikat folgt nach drei Jahren die ewige Profess. Ab diesem feierlichen und ewigen Versprechen ist die Person vollwertiges (stimmberechtigtes) Mitglied des Konventes und Chorherr (Dominus). Erst nach Ablegung des ewigen Versprechens kann die Priesterweihe erfolgen.

Voraussetzung für die Aufnahme eines Kandidaten in den Orden ist die Bereitschaft zu einem Gemeinschaftsleben in der Nachfolge Christi nach den Räten des Evangeliums. Für Priesterkandidaten kommen die üblichen Bedingungen hinzu, wie sie für das Priesteramt erforderlich sind. Für Laienbrüder ist eine abgeschlossene Berufsausbildung erwünscht.

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